Kia Ora, 26. - 02.11.2002
26.-02.11.2002

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Russel und Julie heißen uns in Christchurch auf Neuseeland herzlich willkommen. Wir sind ziemlich geschafft, als wir, vor 2 Tagen dem europäischen Winter entflohen, hier "Down under" im Sommer ankommen. Wir, daß sind 7 Flieger der "Ostallgäuer Drachen- und Gleitschirmflieger auf Marktoberdorf im Allgäu, die eine vom Vorstand organisierte Rundreise durch Neuseeland mitmachen.
Drei Wochen Fliegen, Sightseeing und Wandern stehen auf dem Programm. Aber zuerst brauchen wir dringend etwas Entspannung. Nach einer ausgiebigen Dusche und einem langen gemütlichen Abendessen werden wir von der nachbarlichen Bar mit Livemusik magisch angezogen. Schließlich ist Freitag und der Beginn des neuseeländischen Wochenendes und unseres Urlaubs muß schließlich gefeiert werden.
Am nächsten Morgen erst einmal volle Konzentration, als wir uns mit unseren gemieteten Wohnmobilen in den Stadtverkehr wagen. Linksverkehr und Rechtslenkung wollen erst einmal mit unseren antrainierten Reflexen in Einklang gebracht werden. Nach kurzem Stop zum Auffüllen unserer Vorräte machen wir uns gleich auf ins nächstgelegene Fluggebiet.
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CRAIGIEBURN, östlich der Southern Alps zwischen Christchurch und Arturs Pass gelegen wird als Zielpunkt mit Russel vereinbart. Nur 140 km westlich von Christchurch liegt dieses Fluggebiet. Vor 10 Tagen fanden hier die Nationalen Neuseeländischen Meisterschaften statt. Der Startplatz hier ist fast ideal zu nennen, leicht geneigt und stetig steiler werdend. Trotzdem ist hier Vorsicht geboten. Am späten Nachmittag wechselt der Wind sehr unvermittelt. Ein Start wird dann gefährlich bis unmöglich, und in der Luft wird es dann sehr turbulent. Hier ist auch für erfahrene Flieger die Führung durch ortskundige Flieger sehr zu empfehlen. Schon allein um den Weg für die etwa 1-stündigen Aufstieg zu finden. Direkt vor dem Startplatz steht hier der Hausbart, der Russel innerhalb kürzester Zeit auf 2800 m katapultiert. Er ist ganz begeistert von den Bedingungen. Naja, schließlich ist er Profi, nimmt am PWC teil und gehört zur neuseeländischen Nationalmannschaft. Uns jetlag-geschädigten fehlt es auch noch an Konzentration. Gerade Mal 100 m Startüberhöhung sind für einige von uns drin, bis der Wind wechselt und die Leethermik für uns zu turbulent wird. Aus den weitläufigen Tussokgras-Feldern kann überall zwischen niedrigen Büschen gelandet werden. Nachdem ich direkt am Auto gelandet bin, mache ich mit nun auf die Suche, um meine Freunde einzusammeln. Im Umkreis von ca. 3 km stehen sie am Straßenrand und warten auf mich.
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Das Barbecue, welches Julie bereits vorbereitet hat, dauert wieder einmal bis spät in die Nacht. Aber schon früh am Morgen weckt uns lautes Geschepper. Zwei neugierige Keas, wie hier die Bergpapageien genannt werden haben sich über unser stehengelassenes Geschirr von gestern hergemacht, uns schmeißen nun alles von den Campingtischen. Sie machen sich neugierig über unsere Reste her. Diese neugierigen Bergpapageien haben wirklich vor nichts Respekt. Nicht einmal die Rotweinreste sind vor ihnen sicher.
Der Weg führt uns wieder zurück an die Ostküste nach Dunedin , wo wie die Pinguin- und Albatrosskolonien besichtigen und die berühmten Moeraki-Boulders anschauen. Die Albatrosse erinnern oft an uns Gleitschirmflieger. Auch unsere Flüge sehen oft recht elegant und gekonnt aus, während Start und Landung oft als Katastrophe bezeichnet werden können.
Auf dem Rückweg Richtung Westen ist anschließend Queenstown unser nächstes Ziel. Queenstown, der Abenteuerspielplatz Neuseelands kann getrost als das Gleitschirmzentrum bezeichnet werden.
Die SKYLINE-GONDOLA direkt in Queenstown ist hier der bequemste Weg um in die Luft zu kommen. 15 NZ$ kostet die Auffahrt mit der Seilbahn. Nach ca. 15 minütigem Fußmarsch durch schattigen Wald ist der Startplatz erreicht. Gelandet wird hier auf einen Sportplatz, gleich in der Nähe der Talstation. Aber Achtung, der Landeplatz ist von hohen Zypressen umgeben. Der Queranflug muß hier unbedingt mit ausreichen Abstand zu diesen hohen Hindernissen geflogen werden. Leider haben wir heute hier Rückenwind. Also entschließen wir uns, zum zweiten Fluggebiet in unmittelbarer Nähe zu fahren.
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CORONET PEAK, eigentlich im Winter als Skigebiet bekannt läßt mit besseren Windverhältnissen doch noch zu, daß wir unsere Flügel in der Luft bringen. Hier hat Mr. Ko, ein reicher Japaner einen "Flight-Park" aufgebaut. Gelandet wir hier auf einem großzügigen Golfplatz. Für 15 NZ$ kann man sich sogar ein Zimmer mieten, und ist dann immer gleich zur Stelle, wenn die Verhältnisse einen Flug zulassen. Für die Landegebühr hängt extra ein Briefkasten an der Wand. Hier vertraut noch jeder auf die Ehrlichkeit des anderen. So soll es auch bleiben. Deshalb bezahlen wir freiwillig.
Beim Abendessen mit Lammkoteletts und Steaks beschießen wir am nächsten Morgen zum Doubtful Sound zu fahren. Der Wetterbericht verheißt sowieso nicht Gutes. Kontrastprogramm ist also angesagt.
Dieser Fjord mit 40 km Länge ist der zweitlängste seiner Art in Neuseeland. Er ist nur auf dem Seeweg über den Lake Manapouri und einer 22 km langen Paßstraße zu erreichen. Mit einer durchschnittlichen Wassertemperatur von 12 Grad lädt dieser Meeresarm nicht gerade zum Baden ein. Aber gerade hier fühlen sich dann die Pelzrobben und Delphine wohl, die uns auf der Fahrt durch den Fjord begleiten. Mit etwas Glück kann man hier sogar Pinguine beobachten. Mit einer durchschnittlichen Regenmenge von rund 5300 mm pro Jahr ist die Chance, den Sound bei Sonnenschein zu befahren aber sehr gering. Genau das macht aber den Charme dieser Landschaft aus. Das Wetter und der Nebel geben dieser Landschaft etwas mystisches.
Zurück von unserem Ausflug lädt uns der frische Westwind regelrecht dazu ein, an der CROWN-RANGE zu soaren. In der Nähe von Arrowtown, einer alten Goldgräberstadt, in der heute noch nach Gold geschürft wird, gelegen, gehört dieses Fluggebiet mit zum "Flight-Park" von Mr. Ko. Der Startplatz ist einfach mit dem Auto zu erreichen. Eigentlich wird bei ausreichender Windgeschwindigkeit immer topgelandet. Wem dies aber nicht gelingt, dem steht ein langer Fußmarsch zum oben geparkten Auto bevor.
Da das Wetter auch für die nächsten Tage schlecht bleiben soll, machen wir uns auf den Weg, um zur Westküste zu fahren. In Wanaka, am gleichnamigen See gelegen, reißt aber die Wolkendecke auf. Kurzerhand nehmen wir Kontakt zur hiesigen Flugschule auf, um uns ein paar Infos über die möglichen Fluggebiete zu holen. Richard, der Inhaber von Wanaka Paragliding gibt uns bereitwillig Auskunft.
TREBLE CONE, ein Skigebiet und eigentlich auf öffentlicher Straße leicht zu erreichen bietet Startrichtungen von Nord bis Ost. Leider wird die Zufahrtsstraße aber während der Sommermonate oft von der Liftgesellschaft geschlossen. Hier am besten bei der Flugschule nachfragen.
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IRON HILL, am Ortsrand von Wanaka gelegen ist der Trainingshang für die Flugschule, der mit seinen 200 m Höhe bei Westwind aber lange Soaringflüge ermöglicht. Die Zufahrt hier ist ebenfalls durch ein Tor verschlossen. Deshalb auch hier vorher bei der Flugschule und Erlaubnis fragen.
Das Windsystem rund um den Lake Wanaka ist wie überall auf Neuseeland durch die Nähe zum Meer sehr komplex und nicht so leicht zu verstehen. Das Einholen von Wetterinfos und Fluggebietseinweisung gehören hier, wie eigentlich überall in Neuseeland zur Pflicht. Schließlich soll das Flugerlebnis unseren Urlaub im positiven Sinne bereichern.
Wir haben Glück, und können am IRON HILL ein kurzes "Wetterfenster" zum Fliegen nutzen, bevor es zu regnen anfängt.
Wenn schon schlechtes Wetter, dann aber richtig. Wir beschließen an die feuchte Westküste zu fahren. Die Fahrt führt uns über den Haast-Paß wieder nach unten . Am Mt. Cook, dem höchsten Berg Neuseelands wollen wir den Fox- und Franz Josef-Gletscher besichtigen. Vielleicht können wir noch mit dem Helikopter zum Gletscher rauffliegen. Um Hier aber mit dem Gleitschirm fliegen zu dürfen, bedarf es einer Genehmigung des Departement of Conservation und eines genauen Flugplanes, da hier sehr viel Flugverkehr mit Touristen herrscht. So schlecht, wie uns die Statistik weismachen will, ist das Wetter hier aber gar nicht.
Vorbei an den Pancake-Rocks mit seinen Blowholes, welche bei dem jetzigen Wind und Wellengang unentwegt die Gischt nach oben blasen führt uns die weitere Fahrt nach Nelson am Rande der Marlbourough-Sounds. Dort nehmen wir auch gleich mit der Flugschule Kontakt auf. Nach einigen Informationen machen wir uns am nächsten Tag auf, um unsere Flügel wieder in die Luft zu bringen. Schnell ist der Startplatz gefunden, der Wind kommt auch aus der richtigen Richtung, nur Windböen mit Spitzen von 85 km/h lassen erst gar keinen richtigen Gedanken an einen Start aufkommen. Der nächste Tag verspricht abflauenden Wind. Also machen wir uns auf, um den Abel Tasman Park zu Fuß zu erkunden. Befahrbare Straßen enden hier am Rande des Nationalparks. Entweder man durchquert ihn komplett zu Fuß, oder man läßt sich mit sogenannten Wassertaxis an einem der Strände absetzen, um von dort weiterzuwandern. Der Rückweg in die Zivilisation ist dann abends wieder per Boot gesichert.
Die anschließende Überfahrt auf die Nordinsel überstehen einige von uns nicht so gut. Es ist aber nicht mehr feststellbar, ob der Seegang oder die letzte Nacht schuld daran waren. Von Wellington, Neuseelands Hauptstadt führt uns der Weg auf dem Highway 1 Richtung Norden. Unser erstes Fluggebiet auf der Nordinsel heißt PAEKAKIRIKI.
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Der Richtung Westen/Nord-Westen ausgerichtete Startplatz liegt ca. 650 m über dem Meer. Ein Wiesenstartplatz wie aus dem Bilderbuch. Gelandet wird bei Ebbe am Strand, oder auf einem langen schmalen Grasstreifen, seeseitig des Highways am Ortseingang. Die Locals starten hier noch bei Windgeschwindigkeiten von ca. 35 km/h um im laminaren Seewind zu soaren. Heute aber ist selbst für sie der Wind zu stark. Wir hoffen, daß weiter im Landesinneren die Windgeschwindigkeiten etwas abnehmen und wir dann hier zum fliegen kommen.
Also fahren wir direkt weiter ins Landesinnere. Unser Weg führt uns ins geothermisch und vulkanisch aktive Gebiet Neuseelands. Wir bleiben in Taupo am gleichnamigen See über Nacht. Hier hat der Campingplatz hauseigene heißt Quellen und bei schönem Wetter hat man die Vulkane Tongariro und Ruahpehau direkt im Blickfeld. Die Gegend hier rund um Roturoa (maori = schlecht riechende Luft) mit seinem allgegenwärtigen Schwefelgeruch hat nicht nur fliegerisch einiges zu bieten.
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REPOROA / WAIKITE VALLEY Dieses Fluggebiet im Zentrum der Nordinsel ist sehr beliebt bei den Fliegern. "Wenn es nirgends geht, hier geht es immer irgendwie", war die Aussage der Einheimischen. Da die Auffahrt über privates Farmland führt ist vorher beim Eigentümer pro Fahrzeug 10 NZ$ zu bezahlen. Mit dem Geld wird der Fahrweg auf den Gipfel instandgehalten. Um zum Startplatz zu gelangen ist aber ein Allrad-Auto unbedingt notwendig und wird auch von Farmer verlangt. Am besten man schließt sich einheimischen Fliegern an. Vom oberen Startplatz bis zum Landeplatz im Waikite Valley bieten 700 Höhenmeter genügend Reserve, um nach Thermik zu suchen. Oft wird aber der notwendige West-/Nord-West-Wind noch von der abgehenden Thermik verstärkt, so daß ab Mittag bis zum frühen Abend der Wind für Gleitschirmstarts zu stark wird. Ausgerechnet wenn wir hier sind, trifft dieser Fall ein. Mit dem Unterschied, daß auch Abends der Wind nicht nachläßt, uns so einige unentwegte den fast 2-stündigen Fußmarsch zurück ins Tal antreten müssen.
Da für den nächsten Tag der Durchzug einer Kaltfront gemeldet ist, soll der Wind auf NW drehen. Wir machen uns deshalb nach einem kurzen Besuch in Wai-o-Tapu (maori = heiliges Wasser) auf den Weg nach
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WHAKATANE. Hier, ca. 100 m über Ohope-Beach kann dann bei diesen Bedingungen direkt über der Stadt gesoart werden. Schnell haben wir Kontakt zu Geoff, einem einheimischen Flieger, der uns auch gleich zu einem abendlichen Barbecue einlädt. So könnten wir es noch ewig aushalten. Lamm vom Grill und die frischesten Muscheln vom eigenen Strand munden vorzüglich. Es ist dann auch schon ziemlich spät, bis wir wieder zurück zu den Wohnmobilen kommen. Am Morgen weckt uns dann strahlender Sonnenschein und eine schöne Seebrise. Nach dem Frühstück sind unsere Habseligkeiten in Rekordzeit verstaut. Die Klippen rufen. Ein Fahrzeug bleibt am Strand, um später nicht den weiten Weg zum Startplatz zu Fuß gehen zu müssen. Der Wind paßt perfekt. Ein kurzer Zug an den A-Gurten, zwei , drei Schritte Richtung Klippe und schon sind wir in unserem Element. Schnell sind 100 m Höhe gewonnen. Die Luft ist so sanft, daß genügend Zeit zum Fotografieren bleibt. Russel mein Freund will aber seinen Wettkampfschirm nicht auspacken, und nimmt deshalb ein paar hübsche Mädchen mit seinem Tandem mit. So wird in Neuseeland Mitglieder- und Nachwuchswerbung betrieben. Leider habe ich nicht bedacht, daß mich die Sonne auch unter dem Schirm trifft. Da ich mit kurzer Hose fliege, gehe ich nach ca. 1 1/2 Stunden landen, um keinen Sonnenbrand zu bekommen. Schade, daß wir weiter müssen, denn unser Urlaub geht dem Ende zu.
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Die letzten zwei Tage haben wir für Auckland reserviert.Hier wollen wir uns ebenfalls eine Spielart des Windsports anschauen; nämlich den "Americas Cup". Besser gesagt die dazugehörigen Boote. Die Größe ist schlicht gesagt beeindruckend. Genauso wie Auckland selbst ein paar Tage wert ist. Hier gibt es für Kultursuchende genauso viel zu sehen, wie für Sportbegeisterte.
Nach Abgabe unserer Wohnmobile werden wir zum Flughafen gebracht. Unser Flug führt uns wieder zurück über die Tasman-See und das Outback von Australien nach Malaysia. Diesmal haben wir aber nur 4 Stunden Aufenthalt, bevor es wieder zurück in den harten europäischen Winter geht. 20000 km und 28 Stunden später landen wir pünktlich in Frankfurt. Frierend stehen wir dann am Bahnhof und warten auf unseren Zug nach Hause, der 20 Minuten Verspätung hat. Jeder hängt in Gedanken den letzten Tagen nach und läßt das Erlebte noch einmal Revue passieren. Angesicht des kalten Wetters und des vielen Schnees hat es uns auf der anderen Hälfte der Weltkugel doch besser gefallen, aber jeder ist auch froh wieder nach Hause zu seinen Lieben zu kommen.