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2013/05/23 - 05:00

Testival eines Sonntagsflieger
 
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Nach fünf Jahren wird es Zeit, sich wieder mal nach einem neunen Schirm umzusehen, doch bevor ich mit meinem persönlichen Testival beginne noch ein paar Worte zu mir, dem Sonntagsflieger. Als Sonntagsflieger definiere ich Piloten, die es aus persönlichen Gründen nicht schaffen, ihre Flüge auf die fliegbaren Tage zu legen. Im jährlich wiederkehrenden Zyklus fallen diese guten Flugtage immer auf Arbeitstage, Familienunternehmungen, Arztbesuche, angeordnete Überstunden, nicht aufschiebbare Reparaturarbeiten an Haus und Wohnung oder andere Verpflichtungen. Sonntagsflieger sind froh sind, wenn das Wetter wenigstens an den freien Wochenenden einen Flug hergibt. In einem guten Jahr können somit 30 bis 40 Zeilen im Flugbuch gefüllt werden. 75% dieser Flüge liegen dabei unter 60 Minuten. Bei dieser Anzahl an Flügen muss der Familienurlaub natürlich mit dem Fluggebietsführer geplant werden. Wer sich den ganzen Aufwand und die dabei entstandenen Kosten vor Augen hält, muss eine große Ignoranz gegenüber dem eigenen Bankkonto besitzen. Aber man kann es nicht lassen – Gleitschirmfliegen es ist und bleibt eine Leidenschaft.


Als ich mit der Gleitschirmfliegerei 1986 angefangen habe, gab es nur einen einzigen Schirm, den Randoneuse Maxi, die Sache mit der Schirmauswahl hatte sich von selbst erledigt. Es folgte ein Jaguar, ein Zenith, ein AeroLogic, ein Sonic, ein Vector und letztendlich ein Dragon1. Wie gesagt, nach fünf Jahren Dragon1 wird es Zeit sich wieder mal in der Szene etwas genauer umzusehen. Das größte Problem für mich ist die Klassifizierung der Schirme, was letztes Jahr noch ein gutmütiger 1-2 war, bekäme in diesem Jahr, durch angepasste und geänderte Prüfungskriterien wohl eine ganz andere Klassifizierung. Gerade im Startverhalten kann ich keine Unterschiede in der Beurteilung von Schirmen erkennen. Ein 1er-Flügel erhält die gleichen Kommentare wie ein Flügel der im Startverhalten eine 1-2 erhalten hat. Warum muss alles so kompliziert und undurchsichtig sein? Wie soll ich so als Sonntagsflieger etwas passendes für mich finden?


Hier mal meine Vorgehensweise:

Testival’s der Hersteller sind zwar eine feine Sache, aber einen Schirm nach einem Flug meistens dazu noch in einem unbekannten Fluggebiet zu beurteilen ist sehr schwierig oder einfach nicht möglich. Mehrere Testflüge am Hausberg in bekannter Umgebung lassen die Chancen einer gerechten Beurteilung des Flügels doch steigen. Abstiegshilfen, Startverhalten, Starthandling und natürlich das Design, ja ich bin eitel, sind für mich die wichtigsten Kriterien. Das Extremflugverhalten der Schirme auszutesten überlass ich lieber den Profis und entnehme die Reaktionen der Flügel lieber aus Test- und Prüfprotokollen.

 

Es muss also eine Flugschule her, die eine genügend große Auswahl an Schirmen hat. Nach mehreren Gesprächen hab ich dann meinen Favoriten gefunden. Fünf verschiedene Hersteller und fast alle Typen in verschiedenen Größen vorrätig. Was nicht am Lager ist wird bestellt. Hört sich gut an.

 

Doch was such ich überhaupt’s für einen Schirm?

  • Highend 1-2

  • Low-Level 1-2

  • Bergsteigerschirm

  • Leichtschirm

  • Wendiger 1er

  • Einen gutaussehenden 2

  • oder einen fehlerverzeihenden Schulschirm?

 

Keine Ahnung was ich will. Also anders rum

 

Wie und wo fliege ich als Sonntagsflieger:

Anzahl der Flüge pro Jahr: 20-40

Am Hausberg: 80%

Thermik: ja

Strecke: wird durch den Zufall bestimmt.

Alpinstarts: ca. 5 Flüge pro Jahr

 

Was habe ich an vorhandener Ausrüstung:

Gurtzeug: Groß und schwer (6Kg)

Elektronik: Vario m. Höhenmesser

Rucksack: Tourentauglich.

 

Bergsteigerschirm und Leichtschirm scheiden auf Grund meines schweren Gurtzeuges schon mal aus. Was nützt mir ein leichter und mit kleinem Packmaß versehener Schirm, wenn das Gurtzeug den erkauften Vorsprung wieder vernichtet.

 

Es verbleiben also noch:

 

  • Highend 1-2

  • Low-Level 1-2

  • Wendiger 1er

  • Einen gutaussehenden 2

  • oder einen fehlerverzeihenden Schulschirm?

 

Eine gutaussehende 2-Sichel lässt zwar auf ein erhöhtes ansprechverhalten der Landeplatzweibchen schließen, aber da müsste ich erst mal an meiner Figur arbeiten. Ein Schirm der Klasse 2 taugt eigentlich nur zum Streckenfliegen und da ich 80% meiner Flüge am Hausberg abkurble fällt diese Kategorie ebenfalls weg.

 

Es verbleiben also noch:

 

  • Highend 1-2

  • Low-Level 1-2

  • Wendiger 1er

  • oder einen fehlerverzeihenden Schulschirm?

 

Fehlerverzeihende Schulschirme sind meisten um alle Achsen sehr gedämpft und ein bisschen Spaß soll es ja auch noch machen.

 

 Es verbleiben also noch:

 

  • Highend 1-2

  • Low-Level 1-2

  • Wendiger 1er

 

 

Wenn ich nach einem Flug am Landeplatz stehe und vergleiche wer mit welchem Schirm mit mir ungefähr zur selben Zeit gestartet und gelandet ist erkennt man fast keinen Unterschied zwischen den Schirmkategorien. Ein Highend 1-2 , geflogen von einem Sonntagsflieger, steht fast genau so schnell am Boden wie ein Pilot der einen „1er“ fliegt. Ob die im Minutenbereich verlängerte Flugzeit das fehlende Plus an passiver Sicherheit eines Highend 1-2 aufhebt wage ich zu bezweifeln.

 

 

Es verbleiben also noch:

 

  • Low-Level 1-2

  • Wendiger 1er

 

 

Low-Level 1-2, der Name allein ist schon ein Favorit für das Unwort des Jahres. Die Bezeichnung „wendiger 1er“ ist aber auch nicht viel besser. Egal probieren geht über studieren und nur so kann man wirklich erfühlen ob einem der ausgewählte Schirm zusagt oder nicht.

 

So, nun die von mir geflogenen Schirme und deren Beurteilung.

Bitte bedenkt aber, dass die Beurteilung der Schirme nicht auf festgelegten Prüfkriterien, sondern rein auf meinen bescheidenen Sonntagsfliegerkenntnissen beruht.

 

 

Testgerät

 

 

Bemerkung

 

Airwave Sport 2

 

 

Leinenhandling und Verarbeitung sind erste Klasse, lediglich das Startverhalten ist gewöhnungsbedürftig. Der Schirm bleibt während des Startvorgangs zwar nicht hängen, benötigt aber etwas Zeit um über den Piloten zu kommen.

 

Der schöne, elegante Flügel mit seiner relativ harten Kappe gibt sehr viel Rückmeldung ans Gurtzeug und damit auch an den Piloten weiter. Wer kleinste Thermikansätze aufspüren möchte hat mit diesem Gerät die besten Chancen, für mich den Sonntagsflieger ist dieser Flügel aber einfach nur zu „sportlich“.

 

 

Paratech P26

 

 

Das Leinenhandling gestaltet sich durch die weit nach unten gezogenen Galerieleinen etwas schwieriger als bei den anderen Schirmen. Der Startvorgang selbst ist dafür ohne Tadel.

 

Aufgrund der großen Streckung von 5,3 vermutet man, angesichts der Siluette des Flügels, hier eher einen Schirm der Klasse 1-2 oder 2. Leider lässt die Wendigkeit der Fläche etwas zu wünschen übrig. Der Schirm muss mit viel Gewichtsverlagerung geflogen um ihn eng zentrieren zu können oder in eine Spirale zu bringen.

Angelegte Ohren öffnen nicht selbstständig und müssen aufgepumpt werden.

 

Das Gerät erhielt bereits 2003 das Gütesiegel und man merkt hier eindeutig, dass es bereits eine neue Kategorie von 1er gibt.

 

 

Independence Merlin

 

 

Da ich das Leinenhandling von Independence-Schirmen bereits durch 5 Jahre Dragon1 gewohnt bin kann ich hier keine aussagekräftige Beurteilung abgeben.

 

Der Startvorgang ist tadellos und man spürt den Zug der Kappe bereits nach dem ersten Schritt.

 

In Sachen Wendigkeit war ich von diesem Schirm in dieser Klasse total überrascht. Ein kurzer Zug genügt und der Schirm folgt willig seinem Meister. Das fliegen einer Steilspirale (10m/s) erfordert keine Tricks. Das öffnen angelegter Ohren erfolgt nach Freigabe der Leinen nach kurzer Zeit selbstständig.

 

Einziger Wermutstropfen sind die dicht aneinander „klebenden“ Tragegurte die es erschweren die B-Leinen zu ergreifen.

 

 

Nova Syntax

 

 

Ein einfacheres Handling der Leinen kann man sich nicht vorstellen. Tragegurte aufschütteln und fertig. Was mir nicht gefallen hat, war das jeweils nur eine Leine von den Tragegurten zu den Galerieleinen zieht. Zuerst ein breiter A-Gurt der dann in eine dünne Leine endet – sieht komisch aus. 

 

Die Wendigkeit der Fläche ist gedämpft aber gut.

 

 

Airwave Flite

 

 

Eigentlich war dies mein vorher festgelegter Favorit, aber wie es so ist, kommt alles anders und zweitens als man denkt!

 

Das Leinenhandling der kompakten Fläche ist perfekt auch die dicken und farblich getrennten Leinenebenen erwecken viel Vertrauen. Leider kann ich zum Flug wenig sagen, da ich nach zwei Fehlstarts weitere Experimente abgebrochen habe. Man spürt während des gesamten Startvorgangs fast keinen Zug über die Tragegurte und kann auch über die Bremsen keinen Druck fühlen. Während des Startvorgangs habe ich den Schirm vermutlich zu Tode gebremst. Ein Bekannter erklärte mir, dass dies bereits mehrere Schirme der neuen Generation auszeichnet und von vielen Flugschulen so gewünscht wird. Einfach nur laufen und abheben.

 

 

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Resümee:
Wenn Ihr ebenfalls mit dem Gedanken spielt einen neuen Schirm zu kaufen sucht euch einen kompetenten, fairen und ehrlichen Partner als Gegenüber aus. Ein neuer Gleitschirm kostet mittlerweile ein kleines Vermögen und ein Fehlkauf auf Grund einer überzeugenden Schirmpräsentation des Verkäufers kann man sich nicht leisten – Na ja, ich zumindest. Aus meiner Erfahrung kann ich euch folgende Tipps dazu geben um einen seriösen Partner zu finden.

• Schirmempfehlungen sollten nicht mit einer Werbeverkaufsfahrt in fremde Fluggebiete verknüpft werden. Zu groß ist hier der Druck etwas zu kaufen, was man eigentlich gar nicht möchte.

• Geräte die für einen Probeflug ausgeliehen werden, sollten bereits eingeflogen sein und nicht aus der gerade eingetroffenen Transportkiste aus Fernost entnommen werden.

• Euer Gegenüber, die Flugschule, sollte den von euch ausgewählten Schirm schon selbst geflogen sein – wie soll man sonst ein Urteil abgeben können – Prospekte können wir selbst lesen.

• Bei Problemen mit einem Testschirm, sei es beim Start, bei der Landung oder beim Flug sollte der Fluglehrer oder die Flugschule Unterstützung leisten und einem die evtl. gemachte Fehler erklären und Kommentare wie „kein Schirm für Grobmotoriker“ oder ähnliches für sich zu behalten. Solche „coolen“ Ausdrucksweisen haben nur den Zweck den potentiellen Käufer zu Verunsichern und damit unter Kaufzwang zu setzen, denn wer will schon als ungeeignet für einen bestimmten Flügel dastehen.

Natürlich erwartet die Flugschule oder der Hersteller, dass man ausgeliehene Schirme in einwandfreien Zustand, vollständig und mit kompletten Zubehör wieder zurückgibt. Der Firmeninhaber eines Herstellerbetriebes erzählte mir, dass sogar Kleinigkeiten wie 10x10 cm große Reparaturflicken für das Gleitsegel bei der Rückgabe des Testschirmes verschwunden sind. Wir brauchen uns also nicht zu wundern, wenn das Misstrauen und die Formalitäten einen Testschirm zu bekommen immer größer werden. Auch finde ich es völlig korrekt, wenn die Flugschule eine Leihgebühr für einen Probeflug mit dem ausgesuchten Gerät erhebt. Beim Kauf des Gerätes lässt sich das bestimmt Gegenrechnen.

Ich hab meinen 1er-Traumflügel gefunden und bereits ein paar höherkategorisierte Schirme am Hausberg ausgekurbelt.

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Walter

 Webcam Breitenberg
 

 

 

Web-Cams Breitenberg

 
 
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